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EnBW rechnet mit Ionity ab: mobility+ Kunden können nicht mehr laden

Kunden der Ladetarife mobility+ der EnBW können ab dem 2. April 2020 nicht mehr an Ionity-Ladesäulen Strom beziehen. Grund dafür ist die neue Preispolitik von Ionity. Die Hintergründe:

Um die Elektromobilität gemeinsam zu fördern haben sich VW, BMW, Daimler und Ford zusammengetan und Ionity gegründet. Mittlerweile ist auch Hyundai dabei. Ziel des Unternehmens sollte die für alle kostenschonende Verwirklichung eines flächendeckenden Schnellladenetzes sein. Ganz nach dem Motto: Gemeinsam stark. Zu Beginn schien es auch eine tolle Idee zu sein: die Ladesäulen sind technisch mit das Beste, was man auf dem Markt findet und die Preise waren auch richtig fair mit nur 8 € pro Ladevorgang (pauschal). Das war einmal.

Ionity will wirtschaftlich werden

Die Aufregung war groß, als Ionity Anfang des Jahres verkündete, dass sie ihre Tarife anpassen. Sage und schreibe 79 Cent pro kWh werden nun verlangt. Die Aufregung war groß und man fand eine Menge Anti-Ionity Videos auf YouTube. Eins ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: das von Chris von Carmaniac. Chris war zu Gast bei Ionity und er hat sich die neue Preispolitik von den Verantwortlichen erklären lassen. Aufgeführt wurden natürlich die immens hohen Investitionen für den Ausbau, aber auch die hohen Kosten für den Stromankauf. Will sagen: am Ende hatte man fast schon Mitleid mit Ionity. Jedenfalls strebe man nun die Wirtschaftlichkeit an und kann sich keine zu günstigen Preise mehr erlauben.

Moment, da war doch was

Aber wir erinnern uns: 5 große und erfolgreiche Automobilhersteller haben sich zusammengetan um die Elektromobilität zu fördern und ihre Kräfte zu bündeln. Abgesehen von den großen Subventionen, die sie von der EU für ihr Projekt erhielten, haben sie selbst nur recht kleine Beiträge geleistet, gemessen an ihrem Gesamtausgaben und -einnahmen. Das geschaffene Quasi-Monopol soll jetzt aber auf eignen Beinen stehen? Ein merkwürdiges Vorgehen.

Preis mit fataler Außenwirkung

Nicht nur die Finanzierung des Joint Venture ist fraglich, sondern auch die mit der Preiserhöhung verbundene Außenwirkung. Überall fand man nur die Schlagzeile, wie teuer der Strom fortan ist. Der E-Fahrer weiß, dass man diese Preise nicht mit den Spritpreisen vergleichen darf, aber die Durchschnittsdeutsche eben nicht. Richtig, ein Vergleich ist nicht möglich. Denn einen Schnelllader braucht man für gewöhnlich nur, wenn man auf einer längeren Reise ist. Die routinemäßige Ladung erledigt man zu Hause oder an öffentlichen Ladesäulen, nicht am Schnelllader an der Autobahnraststätte. Dennoch: die Wirkung war vorhersehbar. Gerade im Jahr 2020, wo die Hersteller doch so auf den Verkauf der Elektroautos angewiesen sind. Miesestes Timing überhaupt oder was war der Hintergrund?

EnBW zieht Konsequenz

EnBW wendet sich in einer Info-Mail an seine Kunden. Nachdem das Unternehmen bereits im Februar Kritik an der neuen Preispolitik geübt hat, wird die Zusammenarbeit vorerst eingestellt. Kunden der Ladetarife mobility+ konnten nämlich bisher auch an den Ionity Ladesäulen ihren Strom beziehen. EnBW selbst hat das größte Schnellladenetzwerk Deutschlands errichtet und baut dies selbst weiter aus. Sie bieten ihren Kunden einen einheitlichen Tarif in Deutschland, Österreich und der Schweiz und das ganz ohne Zusatzkosten.

Einen Preis von 79 Cent je Kilowattstunde halten wir zur Förderung der Marktentwicklung nicht für zielführend.

Doch dabei belässt es die EnBW nicht und findet noch deutlichere Worte: „Als Ladeinfrastrukturbetreiber wissen wir, dass der Ausbau von Ladestationen eine signifikante Zukunftsinvestition bedeutet – und wir wissen, dass solche Investitionen klug und langfristig kalkuliert sein müssen“ und weiter „Darüber hinaus wissen wir mit unserer Erfahrung bei großen Infrastrukturprojekten einerseits und in Sachen Kundenbeziehungen andererseits, dass alle Beteiligten sinnvoll zusammengebracht werden müssen – anstatt den Blick nur auf die eigenen Belange zu richten.“

Verbraucher muss im Vordergrund stehen

Die EnBW widerspricht damit ganz deutlich dem Vorgehen von Ionity. Es bringe nichts die Preise an der eigenen Wirtschaftlichkeit auszurichten, wenn der Markt dies noch nicht zulässt. Für die EnBW heißt es deshalb also: „Einfachheit und Wirtschaftlichkeit“. Das angebotene Produkt muss leicht verständlich sein, einfach nutzbar und uneingeschränkt zugänglich sein. Davon sei Ionity weit entfernt.

In der Folge werde daher die Zusammenarbeit mit Ionity eingestellt. Die EnBW bekennt sich damit zu einer alltagstauglichen und einfachen Elektromobilität, die den Kunden begeistern soll. Erst so ist eine umfassende Verkehrswende möglich, so die EnBW.

Was haltet ihr davon? Seid ihr eventuell betroffen?

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