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VW Up – Alles nur upgeguckt?!

Das Kleinstwagen-Segment boomt. Gefühlt schon seit jeher, doch VW ließ mal wieder auf sich warten. Der Fox war ein Reinfall. Die Idee einen billig produzierten Brasilianer auf dem deutschen Markt zu etablieren schien zunächst aufzugehen, doch schnell bemerkte man, dass dieser VW kein echter VW ist, wie es in der Werbung noch groß gehypt wurde. Die Plastiklandschaft, die Bedienung, der Verbrauch … selbst von abgetrennten Finger habe ich schon gelesen, weil die Rückbank wohl so ihr eigenes Ding macht. Verrückt, aber darum geht’s nun auch gar nicht.

Up! geht's

Nach langer Wartezeit oder besser gesagt Spionagezeit, hat VW mal wieder den Markt von ganz unten erobert. Der VW Up! – ja, eine Schreibweise die wohl das Besondere unterstreichen soll. Der Up! ist eigentlich ein Lupo, nur irgendwie ohne L und O dafür mit mehr !. Ob er diese Vehemenz braucht sei dahingestellt. Aber kommen wir zum ersten Eindruck. Lange habe ich mich auf dieses Modell gefreut und die Prototypen und Konzeptdesigns versprachen viel. Dementsprechend „groß“ war dann auch die Enttäuschung, dass er im Endeffekt so langweilig und einfach wie jeder Volkswagen aussieht. Aber das verheißt ja auch viel Gutes – ein echter Volkswagen. Süß lächelnd und knuffig kommt er daher. Er wirkt frisch und modern, sticht aber nicht wesentlich hervor. Das örtliche Autohaus stellte mir den 5-türigen Move Up!. Die helle Armaturentafel unterstrich, genau wie das optional erhältliche Schiebedach die Leichtigkeit des Autos. Er wirkt groß, ohne wirklich groß zu sein. Das liegt vor allem aber auch daran, dass sich die Bedienung aufs Wesentliche konzentriert. Keine große Mittelkonsole, kein Heimkino und sämtliches Schnick Schnack. Das hier soll ein Auto für Jedermann sein, der eins braucht damit es fährt – alles andere ist Luxus. Doch VW setzt mal wieder Maßstäbe. Nur weil man ein Auto braucht das hauptsächlich fährt und deshalb günstig sein soll, der sollte nicht Kunde niedrigster Klasse sein und billigste Qualität bezahlen. Der Up! fühlt sich gut an. Die Haptik passt, die Bedienung, das Gefühl – selbst der Geruch war typisch VW. (Ich frag mich, ob man diesen Neuwagengeruch nicht kaufen kann?!)

Nachgemacht ist besser als Vorgemacht

Aber irgendwas war, was mich nicht ins Schwärme verfallen ließ. Klar, die Langeweile stand dem Kleinen ins Gesicht geschrieben, aber da war noch was. Und dann fiel es mir auch – es war das Konzept. Ein Auto, drei Marken – VW Up!, Seat Mii, Skoda Citigo: Drillinge. Drillinge, wie der Toyota Aygo, Citroen C1 und der Peugeot 106. Doch bei dem Faktum blieb es nicht. Immer mehr sprang mir ins Augen, das irgendwie abgeguckt aussah. Klar, Türen ohne Plastikverkleidung hatte schon der Lupo, aber warum braucht der Up! das wieder? Weiteres Merkmal ist dieses komische Gimmick, dass man nur eine Fenstersteuerung auf jeder Seite hat. Will man also das Beifahrerfenster als Fahrer öffnen, heißt es rüberbeugen. Des Weiteren kam mir die Idee, dass der 5-Türer genauso lang ist, wie der 3-Türer. Wie auch beim anderen Trio. Das erklärt wahrscheinlich auch die nächste Gemeinsamkeit – das ausstellbare Fenster in der zweiten Reihe. Da die hinteren Türen bei der 5-türigen Variante ziemlich schmal nach unten verlaufen bleibt kein Platz mehr, um das Fenster zu versenken. Die Lösung: man kann es ausstellen. Die Wirkung ist dabei aber eher bescheiden. Beim Anblick der Sitze konnte ich diese Liste dann noch erweitern. Beide Trios haben – wahrscheinlich aus Kostengründen – keine seperate Kopfstütze in den Vordersitzen, sondern diese in den Sitzen integriert. Zu guter Letzt fiel mir dann noch ein, dass jeweils der teuerste der beiden Trios (VW Up!/Toyota Aygo) ein Alleinstellungsmerkmal haben. Beim VW Up! ist es die fehlende Ecke bei der 3-türigen Variante am Heckfenster und beim Aygo sind es die Rückleuchten, sie rundlich sind und nicht vertikal angeordnet sind.

Fährt sich wie ein Großer

Nachdem dieses Geheimnis entlüftet war, zündete ich die kleine, raue und zarte 1.0 Liter Maschine. Die Kupplung ist butterweich und die Gänge wechselten schon fast per Gedankenübertragung. Alles klappte reibungslos. Der Motor klang fröhlich engagiert – er drehte vor sich hin, wie ein ganz großer. Doch der Blick aufs Tacho zeigte, dass die Soundkulisse wohl nicht mit dem Durchzug eines ganz Großen gleichzusetzen ist. Was soll man auch erwarten von nur 60 PS. Aber es machte Spaß und außerdem war man so nicht zu schnell zu schnell unterwegs.

Alles nichts neu – Tanken muss man trotzdem

Ein Blick auf das optional erhältliche Navigationssystem (zum Aufstecken) mit integriertem Bordcomputer hat es mir dann aber die Sprache verschlagen. 8,3 l/100km???!!!!! Klar, ich hab ihn ordentlich getreten, aber ich wollte auch nicht zum rollenden Verkehrshindernis werden. Vielleicht sollte ich meine gewohnte Fahrweise etwas dem Auto anpassen … Die „Think Blue“ Animation half mir dann auch beim Gas streicheln. Beim Herumtuckern dachte ich über diese Formulierung nach „Think Blue“ … sämtliche Gehirnzellen in meinem Kopf schreiten „Think fast“ und dann hatte ich auch die Lösung: Man sollte einfach blau denken, assoziiert mit blauäugig oder blau vom Alkohol, dann klappte das auch wieder mit dem Überholen (der Fahrradfahrer). Ich hielt Ausschau nach der kleinsten Parklücke in der Stadt und zack zack zack stand ich auch schon drin. Hier liegen also die Vorteile eines Kleinstwagens. Und neben den VW-gewohnten guten Fahrallüren, fielen mir dann noch viele praktische und gut überlegte Dinge auf. Zum einen der Getränkehalter, den man durch Umklappen des Bügels zu einer einfach Ablage umfunktionieren kann. Die Kleiderhaken im Fond, sowie die einrastbare Hutablage, die leider nicht automatisch mit hoch kommt. Optional kann man sich auch einen doppelten Ladeboden bestellen.

Die Probefahrt neigte sich dem Ende hingegen und ich konnte mich irgendwie schwer von ihm trennen. Er ist ein typischer VW – ein Streber des Perfektionismus für die breite Masse. Und das hat er im Gegensatz zum Fox geschafft. Neu ist er aber dennoch nicht wirklich, eher ein großes Facelift vom Lupo mit ein paar neuen Sicherheitsfeatures, wie der City Notbremse, die Auffahrumfälle verhindern soll. Sparsam ist der Lupo im Alltag mindestens genauso und beim Up! vermisse ich die Diesel-Variante. Doch laut VW ist dafür der Motorraum zu klein – ahja. Dafür gibt es aber den Eco Up! mit Erdgasantrieb. Das ist neu, doch kann sich das durchsetzen? Wir werden sehen, Platzhirsch bleibt er dennoch!

Kleiner ganz groß – auch im Preis

Sein größte Manko ist und bleibt der ebenfalls typisch horrende Preis. Zu haben gibt es ihn ab 9.975 Euro (Stand 06/2013). Es gehört schließlich zum guten Ton, dass man einen Kleinstwagen unter 10.000 Euro anbietet – gerade als Volksmarke. Doch wer kurbelt denn heute noch gerne bei einem Neuwagen seine Fenster rauf und runter, gerade wenn es draußen wieder zu warm wird und die Lüftung nur zum Heizen gedacht ist? Immerhin gibt es serienmäßig eine Servolenkung, wahrscheinlich damit einem beim Singen nicht die Puste ausgeht, denn dein Radio gibt es auch nicht. Preis-Leistungs-Sieger wird er so ganz bestimmt nicht. Doch oft gilt die Devise, wenn man sich schon ein Auto kauf, dann kauf ich mir was vernünftiges. Vollkommen richtig, aber ich halte nicht viel davon, dass VW so viel Geld verlangt für so wenig Auto. Vielleicht sollte man hier wieder den Vergleich zum anderen Trio anstellen. Ein Toyota Aygo beginnt bei 8.390 Euro (Stand 06/2013). Die nächstbessere Ausstattungsvariante „Cool“ gibt es schon für 10.250 Euro. Hier gibt es schon Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, lackierten Außenspiegel und Türgriffe, Ein CD-Radio mit 4 Lautsprechern (sogar mit AUX-Eingang), elektrische Fensterheber und sogar eine Klimaanlage. Und das alles nur für 275 Euro Aufpreis im Vergleich zum Up!. Klar, die Qualität ist bei weitem nicht die gleiche, aber meiner Meinung nach die eindeutig bessere Wahl in diesem Preissegment um die 10.000 Euro – und genau da sollte sich ein guter Kleinstwagen einordnen.

S.

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